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Grau

Seit einigen Wochen geht es bei mir nur noch OBEN OHNE.

Ohne Farbe, ohne Strähnen.

Ich werde grau.

 

Zurzeit bin ich allerdings weit entfernt von grauhaariger Weisheit.

Schaue ich morgens in den Spiegel blickt mir eher ein gerupftes Huhn entgegen, da die braune Farbe vom Friseur inzwischen mehr als 3 cm heraus gewachsen ist und jetzt ganz deutlich wird wo ich demnächst weiß und wo grau sein werde.

 

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich begonnen habe, die Farbe meiner Haare zu verändern.

Zunächst kam Henna zum Einsatz, dann irgendwelche Naturfarben, später Tönungen und dann Farbe ins Spiel.

Wie meine tatsächliche Haarfarbe ist, weiß ich schon gar nicht mehr.

Aber ich freue mich darauf, sie wieder zu entdecken – mich zu entdecken.

Ich habe keine Lust mehr, mir immer und immer wieder Chemie über den Kopf schütten zu lassen, nur um vermeintlich jünger auszusehen oder einem von Photoshop unterstütztem und idealisiertem Schönheitsideal 30-jähriger nachzujagen, das es so sowieso nicht gibt.

 

Seit ich mich dazu entschlossen habe Farbe zu bekennen, treffe ich scheinbar vermehrt auf Frauen, die dies schon längst getan haben.

Da sind die, die ich wegen ihres wunderschönen komplett weißen Haares beneide, weil sie immer strahlend frisch aussehen.

Andere sind mehr der Pfeffer-und-Salz-Typ und wieder andere tragen kecke weiße Strähnen im sonst noch nicht ergrauten Haar.

So unterschiedlich all diese Frisuren auch sind, sie haben doch eines gemeinsam: Sie passen wunderbar zu ihren Trägerinnen und es gäbe wirklich keinen auch noch so kleinen Grund zum Färben.

Keine der Frauen, die es wagen „Natur“ zu zeigen, sieht wegen ihrer Frisur oder Haarfarbe älter oder langweilig aus.

 

Ich hoffe, meinen jetzigen „Mixed-Pickles-Zustand“ noch ein wenig aushalten zu können, um dann in vielleicht zwei Monaten zu einer Kurzhaarfrisur zu wechseln, bei der von den gefärbten Haaren nichts mehr oder kaum noch etwas zu sehen ist und ich es den oben genannten Damen gleich tun und mich zur Natürlichkeit bekennen kann.

 

Inzwischen unterstützen ja auch viele Frauenzeitschriften Natürlichkeit, indem sie Frauen auffordern, endlich zu ihren grauen Haaren zu stehen und sie auch zu zeigen. Da liest man Überschriften wie „Graue Haare können auch bei Frauen attraktiv sein“ (freundin) oder „Graue Haare zeigen – bekennen sie endlich Farbe! (madame)

Allerdings darf man dann, so das Statement vieler Zeitschriften, als Frau nicht mehr ungeschminkt aus dem Haus.

Was bei Brünetten oder Blonden noch okay ist, ist bei ergrauten Damen ein absolutes NO GO!

Wenn ich denn dann meinen Mitmenschen endlich vollends meine eigene Haarfarbe präsentiere, muss ich auch unbedingt meine Garderobe komplett neu gestalten. Bestimmte Farben gehen ja bei grauen Haaren so gar nicht … und natürlich muss gerade graues Haar PERFEKT geschnitten und gestylt sein.

 

Da weiß ich doch wieder warum ich solche Zeitschriften normalerweise nur in irgendwelchen Wartezimmern durchblättere, sie aber weder lese noch kaufe.

 

Ich möchte mich endlich gerne erleben, wie ich wirklich bin.

Und dazu zählt unter anderem auch die tatsächliche Farbe meiner Haare.

Vielleicht hat ja eine von Euch Lust mitzumachen …

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