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Genug ist genug

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Die Schärfe des Berbere

 

 

Ich stand in der Küche, bereitete ein Fleischgericht zu und schmeckte es ab. Lecker!

Aber es fehlte noch die gewohnte, exotische Note, die die Familie so liebte.

In den Tiefen des Schrankes suchte ich nach Berbere, einer scharfen, äthiopischen Gewürzmischung.

Nichts mehr da!

Schade, so war das Gericht nur halb so gut.

 

Richtiges, auf dem afrikanischen Kontinent zubereitetes Berbere, schmeckte nach äthiopischem Boden und duftete nach Hochebene und Trockenheit, nach Wüste.

 

Es erinnerte an Ingera und Wat, das äthiopische Nationalgericht.

Aber jetzt in diesem Moment beamt mich die Erinnerung an seinen Duft auf den afrikanischen Kontinent. 1985. Dürrekatastrophe. Äthiopien.

 

Bilder und Erinnerungsfetzen.

Ich erinnerte mich an meine Fassungslosigkeit, als zum ersten Mal Bomber über dem Berg erschienen.

Man hörte sie immer erst, wenn sie darüber hinaus schossen und über die Hochebene jagten, um weit entfernt die Bomben fallen zu lassen.

Soldaten warfen Männer wie Sandsäcke auf LKW und transportierten sie wie Vieh ab.

Mulu, eine so mutige junge Frau, die für unser Team arbeitete, stellte sich den Soldaten in den Weg und versuchte sie daran zu hindern, all diese Männer möglichst weit weg zu bringen.

 

Resettlement.

 

Sie versuchten mit diesen Umsiedlungen den Widerstand zu schwächen, der hier in Tigray so nah an Eritrea stark war.

 

Immer mehr Bilder tauchten auf und brachten Gefühle mit sich.

 

Auf den ersten Blick schien die Situation gar nicht so schlimm zu sein.

Mekelle, damals noch eher ein Dorf als eine Stadt, befand sich in der Umklammerung mehrerer Flüchtlingscamps.

Alle wurden von Helfern verschiedener Länder geleitet und waren unterschiedlich groß.

Mal gab es 12.000 Menschen, mal 20.000.

In unserem Camp, das sie irrwitzigerweise May Duba, Wassermelone, nannten, lebten 80.000 Äthiopier in Zelten.

Streifte man durch die Reihen der Zelte, begleiteten Kinder unseren Weg.

Fassten uns an. Wie fühlte sich wohl diese Haut an?

Und: »Give me money! Give me food!«

 

Das wirkliche Elend versteckte sich unter dem weißen Tuch der Zelte.

Hier vegetierten und starben Menschen vor unseren Blicken verborgen dahin.

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